Das Wichtigste in Kürze
- Branchenzuschläge sind ein Aufschlag auf deinen Tariflohn, wenn du länger in einem Betrieb bestimmter Branchen eingesetzt bist – zum Beispiel in der Metall- und Elektroindustrie oder der Chemie.
- In der Metall- und Elektroindustrie steigt der Zuschlag stufenweise von 15 % (nach 6 Wochen) bis auf 50 % (nach 9 Monaten Einsatz im selben Betrieb).
- Bei einem Helferlohn von 15,33 € sind das nach 9 Monaten 23,00 € pro Stunde.
Branchenzuschläge sind einer der wichtigsten Gründe, warum Zeitarbeit sich lohnt: Je länger du in einem Betrieb bestimmter Branchen arbeitest, desto mehr verdienst du – bis zu 50 % mehr als der normale Tariflohn. Hier erklären wir, wie das funktioniert, ab wann es mehr Geld gibt und worauf du achten solltest.
Was sind Branchenzuschläge?
In vielen Industriebetrieben verdienen die eigenen Mitarbeiter mehr als der Grundlohn in der Zeitarbeit. Damit Zeitarbeitskräfte mit der Zeit an dieses Niveau herankommen, haben die Gewerkschaften und die Arbeitgeberverbände der Personaldienstleister eigene Branchenzuschlagstarifverträge abgeschlossen. Sie legen fest: Wer länger in einem Kundenbetrieb dieser Branche eingesetzt ist, bekommt einen prozentualen Aufschlag auf seinen Tarif-Stundenlohn.
Der Zuschlag hängt also nicht von der Zeitarbeitsfirma ab, sondern davon, in welcher Branche der Kundenbetrieb ist und wie lange du dort ohne Unterbrechung arbeitest.
In welchen Branchen gibt es Zuschläge?
Branchenzuschlagstarifverträge gibt es derzeit unter anderem für:
- Metall- und Elektroindustrie
- Chemische Industrie
- Kautschukindustrie
- Kunststoff verarbeitende Industrie
- Schienenverkehrsbereich
- Textil- und Bekleidungsindustrie
- Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie
- Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitende Industrie
- Druckindustrie
- Kali- und Steinsalzbergbau
- Papiererzeugende Industrie
Ob ein Betrieb unter einen dieser Tarifverträge fällt, richtet sich nach seinem Schwerpunkt – nicht nach deiner Tätigkeit. Auch als Lagerhelfer in einem Metallbetrieb kannst du also Anspruch haben.
Stufen am Beispiel der Metall- und Elektroindustrie
Der Zuschlag steigt in Stufen, gerechnet ab dem ersten Tag im Kundenbetrieb. In der Metall- und Elektroindustrie gilt (Beispielrechnung mit den Tariflöhnen ab 01.09.2026):
| Dauer im selben Einsatz | Zuschlag | Helfer (EG 1) | Fachkraft (EG 3) |
|---|---|---|---|
| bis 6 Wochen | – | 15,33 € | 17,11 € |
| nach 6 Wochen | +15 % | 17,63 € | 19,68 € |
| nach 3 Monaten | +20 % | 18,40 € | 20,53 € |
| nach 5 Monaten | +30 % | 19,93 € | 22,24 € |
| nach 7 Monaten | +45 % | 22,23 € | 24,81 € |
| nach 9 Monaten | +50 % | 23,00 € | 25,67 € |
Andere Branchen haben eigene Stufen und teils niedrigere Prozentsätze – zum Beispiel in der Druckindustrie oder im Schienenverkehr. Welche Werte für deinen Einsatz gelten, sagen wir dir vor Beginn.
Rechenbeispiel: Was macht das im Monat aus?
Ein Helfer in Vollzeit (151,67 Stunden im Monat) verdient in der Metall- und Elektroindustrie:
- im ersten Monat: rund 2.325 € brutto,
- ab dem 4. Monat (+20 %): rund 2.791 €,
- ab dem 10. Monat (+50 %): rund 3.488 € – also rund 1.163 € mehr im Monat.
Deckelung und Equal Pay
Der Zuschlag soll dich an den Lohn der Stammbelegschaft heranführen, nicht darüber hinaus. Deshalb kann der Kundenbetrieb verlangen, dass er gedeckelt wird – in der Metall- und Elektroindustrie auf 90 % des Stundenlohns eines vergleichbaren Stammbeschäftigten. Das betrifft vor allem Betriebe mit niedrigem Lohnniveau.
Nach spätestens 15 Monaten im selben Betrieb hast du laut Arbeitnehmerüberlassungsgesetz Anspruch auf Equal Pay, also den gleichen Lohn wie vergleichbare Stammbeschäftigte. Mehr dazu im Ratgeber Deine Rechte in der Zeitarbeit.
Darauf solltest du achten
- Unterbrechungen zählen: Die Stufen gelten für den ununterbrochenen Einsatz im selben Kundenbetrieb. Ein Wechsel zu einem anderen Kunden kann die Zählung neu starten.
- Lohnabrechnung prüfen: Der Zuschlag steht als eigene Position auf deiner Abrechnung. Fehlt er, sprich uns an.
- Zuschläge kommen zusammen: Branchenzuschlag, Erfahrungszuschlag und Zuschläge für Nacht- oder Feiertagsarbeit sind unterschiedliche Bausteine. Einen Überblick gibt der Ratgeber Was verdient man in der Zeitarbeit?
Viele unserer offenen Stellen sind bei Kunden aus der Metall-, Elektro- und Kunststoffindustrie – dort lohnt sich ein langfristiger Einsatz besonders.
Häufige Fragen
Ab wann bekomme ich einen Branchenzuschlag?
Das hängt vom Branchenzuschlagstarifvertrag ab. In der Metall- und Elektroindustrie gibt es die erste Stufe (15 %) nach sechs Wochen ununterbrochenem Einsatz im selben Kundenbetrieb.
Wie hoch ist der Branchenzuschlag?
In der Metall- und Elektroindustrie 15 % nach 6 Wochen, 20 % nach 3 Monaten, 30 % nach 5 Monaten, 45 % nach 7 Monaten und 50 % nach 9 Monaten. Andere Branchen haben eigene, teils niedrigere Stufen.
Kann der Branchenzuschlag begrenzt werden?
Ja. Der Kundenbetrieb kann verlangen, dass der Zuschlag gedeckelt wird – in der Metall- und Elektroindustrie auf 90 % des Lohns, den ein vergleichbarer Stammbeschäftigter dort bekommt.
Bekomme ich den Branchenzuschlag auch als Helfer?
Ja. Der Zuschlag gilt für alle Entgeltgruppen, er wird als Prozentsatz auf deinen Tarif-Stundenlohn berechnet.
Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind dein Arbeitsvertrag und die geltenden Tarifverträge.